Banken lockern Bedingungen : Ab sofort leichtere Kreditvergabe

Die Banken in Europa lockern ihre Vorgaben zur Kreditvergabe. Davon profitieren nicht nur Unternehmen, sondern auch private Verbraucher. Unternehmen kommen in der EU leichter an Kredite, nachdem die Banken im zweiten Quartal 2018 nochmals ihre Vorgaben für die Vergabe von Krediten gelockert hatten. Dies geht aus Informationen der Europäischen Zentralbank hervor, die regelmäßig die Banken im Euroraum über deren Kreditrichtlinien befragt. Diesmal nahmen 149 Geldhäuser an der Umfrage teil.

Wettbewerb unter Banken nimmt zu

Der Grund für die Veränderung der Vergabestandards ist, dass mehr Wettbewerb unter den Banken herrscht. Außerdem schätzen sie die aktuellen konjunkturellen und firmenspezifischen Risiken anders ein. Schon zu Jahresbeginn konnten Unternehmen leichter einen Kredit aufnehmen. Volkswirte schätzen die aktuelle Entwicklung positiv ein. Dies sei ein gutes Signal für die EZB und ihre Geldpolitik und würde zu mehr Investitionen in der Eurozoneführen. Die Wirtschaft stößt langsam an ihre Kapazitätsgrenzen und muss daher investieren, damit weiterhin Wachstum möglich ist.

Geldpolitik der EZB motiviert Banken

Auch die Anleihenkäufe der EZB haben das Ziel, Banken dazu zu motivieren, mehr Kredite zu vergeben. Das Programm läuft seit drei Jahren. Mittlerweile ist es um die Konjunktur in der Eurozone sehr gut bestellt, was einer der Gründe für das Einstellen des Anleihenkaufprogramms zum Jahresende ist. Auch die niedrigen Zinsen – der Leitzins der EZB liegt noch immer bei null Prozent – sollen Banken dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben. Am Leitzinssatz von null Prozent will die EZB noch mindestens bis Mitte 2019 festhalten.

Vor allem Banken in Spanien, Italien und Deutschland lockerten ihre Bedingungen für die Vergabe von Kreditenan Unternehmen. In Deutschland waren die Lockerungen allerdings vergleichsweise gering und deuteten sich schon in der letzten Umfrage der EZB an. Banken in Frankreich und den Niederlanden änderten nichts an ihren Vergabestandards.

Vorgaben für Immobilien- und Verbraucherkredite niedriger

Auch die Voraussetzungen für Immobilienkredite und Verbraucherkredite wurden im zweiten Quartal des Jahres gelockert. Derzeit geht man davon aus, dass bis September weitere Lockerung aufkommen werden und die Nachfrage von Unternehmen nach Krediten weiter steigen wird.

In der Eurozone wurden laut der EZB im Juni 2018 4,1 Prozent mehr Krediten an Unternehmen vergeben als noch vor einem Jahr. Dies ist der größte Anstieg seit dem Frühjahr 2009. Im Mai nahm die Kreditvergabe an Unternehmen bereits um 3,7 Prozent zu. Auch Privatpersonen bekommen mehr Kredite. Hier stieg die Zahl der Kreditvergaben im Juni um 2,9 Prozent im Vergleich zum Juni 2017.

Ab sofort wird es leichter Immobilien zu finanzieren

Vorgaben für Immobilienkredite gelockert

Bereits vor einiger Zeit wurden die Vorgaben für die Vergabe von Immobilienkrediten auch von staatlicher Seite gelockert. Aufgrund einer Veränderung der sogenannten EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie sollen Familien und Rentner künftig leichter an Kredite für Immobilien kommen. Die neuen Vorgaben der Bundesregierung sehen vor, dass Banken zukünftig kein Worst-Case-Szenario mehr als Grundlage dafür nehmen sollen, wer kreditwürdig ist und wer nicht. Davon sollen vor allem ältere Menschen und junge Familien profitieren, die ein Haus kaufen oder bauen wollen. Die EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie gilt in Deutschland seit zwei Jahren. Zum 1. Mai 2018 wurden sie allerdings von der Bundesregierung nochmals überarbeitet.

Richtlinie erschwerte Kreditaufnahme

Lange galt die EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie als Hürde für junge Familien und ältere Bauherren. Sie hatten oftmals keine Chance auf einen Immobilienkredit. Die im Mai veröffentlichten „Leitlinien der Kreditwürdigkeitsprüfung bei Immobiliendarlehen“sind zusätzliche Vorgaben der Bundesregierung zur EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie, die im März 2016 in Kraft trat. Schon damals kam Kritik daran auf. Die neuen Leitlinien sollen nun die Chancen auf einen Immobilienkredit erhöhen.

Banken erhöhten Richtlinien bei der Kreditvergabe

Die Banken wurden durch die EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie nochmals aufgefordert, sicherzustellen, dass der Kreditnehmer den Kredit auch über die gesamte Laufzeit zurückzahlen kann. Auf diesen Aspekt achten Banken allerdings meist bei der Vergabe von Krediten. Allerdings wurde dieser Punkt im Falle der EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie innerhalb eines Gesetzes festgelegt. Für Banken erhöhte sich dadurch das Risiko, dass sie selbst haften, wenn der Kredit ausfällt. Aus diesem Grund erhöhten sie ihre Richtlinien bei der Kreditvergabe.

Wert der Immobilie keine Sicherheit mehr

Außerdem dürfen Banken laut der EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie nicht mehr davon ausgehen, dass der Wert der Immobilie höher ist als der Kredit. Auch die Annahme, dass der Wert der Immobilie zunimmt und damit die Kreditwürdigkeit gesichert ist, galt nicht mehr. Aus diesem Grund schätzten Banken Kreditnehmer mit geringem Einkommen nicht mehr als kreditwürdig ein, auch wenn sie eine wertvolle Immobilie besitzen. Hiervon waren vor allem Rentner betroffen, die beispielsweise einen Immobilienkredit für eine Renovierung ihres Hauses nutzen wollten.

Die Richtlinie der EU entstand in Folge der Finanzkrise, für die auch die Immobilienfinanzierung in den USA ein Grund war. Dort wurden für Immobilienkredite kaum Sicherheiten verlangt. Man vertraute allein auf die Wertsteigerung der Immobilien. In der Folge platzen die Immobilien-Blase. Ein solches Szenario wollte die EU vermeiden und Verbraucher besser schützen. Kreditnehmer sollten keine Finanzierung nutzen, die sie langfristig nicht stemmen können. Banken vermieden es in der Folge, Risiken einzugehenund gewährten daher im Zweifelsfall keinen Kredit.

Strenge Vorgaben wieder gelockert

Diese strengen Regelungen wurden nun wieder etwas entschärft. Banken sollen die jeweiligen Einzelfälle wieder stärker berücksichtigen, beispielsweise bei Aspekten wie dem Alter der Kreditnehmer oder deren weiterer beruflicher Entwicklung. Außerdem zählt auch der Wert der Immobilie wieder. Banken dürfen den Wert der Immobilie also bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit wieder berücksichtigen.

Fazit: Unternehmen und Privathaushalte kommen leichter an Kredite

Vor allem in Deutschland, Spanien und Italien haben Banken in den letzten Monaten ihre Vorgaben für Kredite gelockert. Nicht nur Unternehmen, sondern auch Privatpersonen kommen wieder leichter an Kredite. Dies gilt unter anderem für Immobilienkredite. Es wird erwartet, dass die Vorgaben in den nächsten Monaten nochmals gesenkt werden könnten.

Ein Grund dafür, dass Banken derzeit lockerer bei der Kreditvergabe vorgehen, ist die Geldpolitik der EZB. Das Anleihenkaufprogramm sowie die niedrigen Zinsen sollen Banken dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben. Dazu kommt, dass der Wettbewerb unter den Banken zugenommenhat. Sie schätzen darüber hinaus die aktuellen konjunkturellen und firmenspezifischen Risiken neu ein. Im Juni wurden 4,1 Prozent mehr Kredite an Unternehmen vergeben als im Juni 2017. Auch bei Krediten an Privathaushalte gab es ein Plus von 2,9 Prozent.